Der beste Freund des Menschen – missverstanden

Meine Liebe zu Hunden ist noch jung. Um genau zu sein gehöre ich nicht zu jenen Menschen, in deren Werdegang zu lesen ist, dass sie bereits mit Hunden aufgewachsen sind und Hunde schon immer ein Teil ihres Lebens waren. Die faszinierende Freundschaft, die zwischen Mensch und Hund entstehen kann, habe ich vor ca. 10 Jahren entdeckt.

Nun bin ich Hundetrainerin. Hätte ich nie gedacht. Aber es macht Spass. Besonders der Umgang mit Menschen, der kann spannend, herausfordernd und sogar emotional sein. Hunde sind immer ehrlich und direkt. Gibt man ihnen Raum und Zeit, zeigen sie uns gerne ihr Wesen und Interesse. Menschen sind speziell. Zwei Gesichter. Fassaden. Kulturen. Erziehung. Tradition. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit und ich empfinde es als sehr bereichernd, Menschen mit ihren Hunden im Training begleiten zu dürfen.

Mir liegen die persönlichen Anliegen im Training sehr am Herzen. Obschon ich mir wünschte, Massen ansprechen zu können, habe ich mich für das Einzeltraining und kleine Gruppen entschieden. Ganz bewusst.

Hundetrainer gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Für den Hundehalter, der die obligatorischen Kurse buchen und besuchen muss, ist der Irrgarten komplett unüberschaubar. Mit Hilfe der Suchmaschine wird man schnell fündig und schon ist man mit seinem pelzigen Freund in der ersten Hunde-Übungsstunde gelandet. Am besten wählt man wohl die Hundeschule, die sich in der Nähe oder zumindest in der näheren Umgebung befindet. Das passt schon. Passt es dann wirklich?

Ich bin noch nicht lange Hundetrainerin und doch habe ich in den vergangenen sieben Jahren viel Zeit und auch Geld in Ausbildungen, Workshops und Seminare investiert, um mich weiterzubilden. Dabei halte ich mich an keine Methode im Hundetraining sondern orientiere mich an Verhaltensforschern und Biologen,  sowie die Vermittlung von Wissen, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ich bin kein Hundeflüsterer und auch kein Hundeprofi. Ich bin nur Hundetrainerin, die ihren Horizont erweitert und sich dem Thema mit mehr Zeit widmet als der durchschnittliche Hundehalter. Ich habe die Weisheit auch nicht mit dem Löffel gefressen aber eines weiss ich aus meiner Erfahrung, die ich tagtäglich mache und durch die vielen unterschiedlichen Hunde, die inzwischen meine Lehrmeister sein durften:

Es ist nicht nötig, den Hund am Halsband zu strangulieren, wenn er auf dem Hundeplatz aufgeregt bellt und sich kaum beruhigen lässt. Es gibt auch keinen einzig plausiblen Grund, einen Hund auf den Rücken zu werfen und ihn in dieser Position festzuhalten, bis er sich ergibt. Nein er ist nicht entspannt, wenn er sich nicht mehr wehrt. Und wenn der Rückruf nicht klappt, muss man nicht schreiend auf seinen Hund losrennen und die Leine nach ihm werfen. Bizarr? So geschieht es immer noch tagtäglich in Hundeschulen auf deren Internetseiten man von Vertrauen, Respekt und Verständnis liest. Es wird über Freude und Spass geschrieben. Über ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Hund.

Wie und warum soll unser Hund uns sein Vertrauen schenken, wenn wir ihn mit dem Leben bedrohen? Ihn auf den Rücken drehen und dabei wie ein Hund knurren? Wie soll ein Hund Verständnis erfahren, wenn er von seinem Menschen am Halsband in die Luft gehalten wird, bis er nach Luft ringen muss? Und welchem Menschen macht es Spass, schreiend über eine Wiese zu laufen, und seinen Hund mit der Leine zu bewerfen?

Ein Hund lernt nun mal mit solchen Methoden?

Falsch.

War schon immer falsch aber seit mehr als 10 Jahren ist es sogar bewiesenermassen falsch.

Falsch und unnötig.

Also spätestens dann, wenn der Trainer zu solchen Massnahmen greift oder seine Kunden dazu auffordert, es bei ihren Hunden anzuwenden, soll Hund unter den Arm geklemmt und der Hundeplatz verlassen werden. Bitte hört auf Euer Bauchgefühl. Tut Euch und Euren Hunden diesen Gefallen. Gewalt fängt da an, wo wir Menschen unseren Willen um jeden Preis umsetzen wollen und die Bedürfnisse des Hundes ignorieren. Dabei wird vergessen, dass Hunde sensibler sind als wir denken. Lernen soll keine Angst bereiten. Um ein Verhalten sein zu lassen, muss man nicht erschreckt werden. Wenn man Essen vom Tisch klaut, muss man dafür nicht geschlagen werden. Dass ein Tisch und alles, was sich drauf befindet, dem Hund nicht zur freien Verfügung steht, kann dem Hund beigebracht werden. Auf freundliche Art und Weise. Lernen ist ein Prozess. Das darf dauern. Ein Leinenruck oder ein Schlag, der Angst und Schmerzen bereitet, ist keine Erziehung. Es ist Unterdrückung. Es ist sofortiges Abstellen von Verhalten, das uns nicht passt.

Gewalt fördert Widerstand. Bei Mensch und ebenso bei Tier.

Freude und Motivation fördert die Kooperation. Hunde sind soziale, sensible und intelligente Tiere, ihr Wunsch ist es, sich uns Menschen anzuschliessen. Dafür wurden sie domestiziert. Sie wollen ein Teil unseres Lebens sein. Teil der Familie. Sie vertrauen uns und würden uns für nichts auf der Welt verlassen.

Gewalt am Hund ist zu keiner Zeit nötig. Es muss kein Druck mit dem Körper ausgeübt werden und es braucht keine Hilfsmittel, die dem Hund Schmerzen oder Angst zufügen. Egal ob der Hund jung, aus dem Tierheim, unsicher oder aggressiv ist. Gewalt kann zugegebener Weise hilfreich sein, wenn eine Tür klemmt, ist aber im Umgang mit einem Lebewesen immer und zu jeder Zeit fehl am Platz.

Was man braucht? Man nehme gesunden Menschenverstand, Grundlegendes Wissen über das Lernverhalten von Hunden, Konsequenz im Training, Freude und Motivation.

Sucht Hundetrainer, die Mensch und Tier respektvoll behandeln. Hundetrainer, die sich weiterbilden und namhafte Verhaltensbiologen im Werdegang erwähnen, machen sich Gedanken zum Lernverhalten und sind darum bemüht, ihr Training stetig zu verbessern, man hat nie ausgelernt.

Und weil es ebenso viele Hundebücher wie Hundeschulen gibt, lege ich Euch meine zwei Favoriten ans Herz:

Einen Hund zu haben, macht Euch reich. Ihr gewinnt einen Freund fürs Leben.

Hunde brauchen keinen Rudelführer, der ihnen Angst und Schmerzen zufügt und sie verunsichert. Sie brauchen einen Sozialpartner, der sie mit Herz und Verstand durch das Leben führt. Fortschrittliches Hundetraining ist fair.

Best friends

 

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