Führt die Trainingsmethode „Ignorieren“ zum gewünschten Erfolg?

Immer wieder begegne ich Menschen, deren Hunde durch unangenehmes oder störendes Verhalten auffallen. Wenn dieses Verhalten den Spaziergang von Suki und mir negativ beeinflusst, spreche ich die Hundeführer auch mal freundlich aber direkt an. In letzter Zeit bekomme ich dann oft zu hören, dass mit dem Hund trainiert wird und der Hundetrainer geraten hat, das unerwünschte Verhalten zu ignorieren.

So richtig überzeugend hört sich das irgendwie nie an und im Gespräch stellt sich jedes Mal heraus, dass sich diese Menschen bei dieser Trainingswahl nicht wohl fühlen – sie können nicht mit Herz und Verstand hinter dieser Art von Training stehen. Und um ehrlich zu sein, scheint dies eher eine Methode zu sein, die den Hundehalter von der Pflicht entbindet konkret zu werden, denn man geht in dem Moment nicht auf das Verhalten des Hundes ein. Im Grunde genommen soll dem Hund mit Ignorieren das Erreichen seines Verhaltenszieles unmöglich gemacht werden – wir nehmen ihm sein Motivationsziel.

Hat die Tat des Hundes aber selbstbelohnenden Charakter, ist Ignorieren nicht angebracht, kann das unerwünschte Verhalten sogar verstärken. Unser mangelndes Einschreiten wird vom Hund als Erlaubnis gewertet, das Erreichen seines Zieles belohnt ihn zusätzlich dafür und es findet kein Lernprozess statt d.h. der Hund wird nicht verstehen, welches Verhalten wir uns von ihm wünschen.

Selbstbelohnenden Charakter haben beispielsweise:

  • alle Formen der Aggression
  • das Wegrennen, um mit anderen Hunden zu toben
  • Jagdverhalten
  • das Stehlen von Gegenständen

Wo aber macht Ignorieren Sinn?

  • Zunächst in allen Bereichen in denen die Tat bereits geschehen ist. Nicht weil die Methode wirksam wäre, sondern weil der Hund ohnehin im Nachhinein keine Erziehungsmassnahme mit einer Tat in der Vergangenheit verknüpfen kann. Ignorieren ändert in diesen Fällen nichts am Fehlverhalten, es beugt aber einem Vertrauensverlust durch für den Hund im Nachhinein nicht nachvollziehbare Strafen vor.

Zum Beispiel: Ein Welpe macht eine Pfütze in die Wohnung. Richtig ist, die Pfütze zu ignorieren, mit dem Kleinen nach draußen zu gehen und ihn zu loben, wenn noch etwas kommt. Die Pfütze wird anschliessend wortlos beseitigt.

  • Bei allen Untugenden die zwar vor unseren Augen geschehen, derer wir aber (noch) keinen Einhalt gebieten können.

Hier sollte man sich über sich selbst ärgern und sich darum bemühen, bei der nächsten, ähnlichen Situation besser vorbereitet zu sein bzw. vorausschauend das unerwünschte Verhalten zu verhindern. Funktioniert z.B. der Rückruf noch nicht, sollte unser Hund zu seinem eigenen Schutz und zum Schutz der Umwelt angeleint spazieren gehen. Die Farbwahl von Schleppleinen ist vielfältig;)

Wir dürfen von unseren Hunden nicht erwarten, dass sie einschätzen können, was richtig und was falsch ist. Es liegt in unserer Verantwortung, ihnen mit viel Geduld und Verständnis beizubringen, welches Verhalten von uns erwünscht ist und wir öfters sehen möchten. Ebenso ist es unsere Aufgabe selbstbelohnendes und unerwünschtes Verhalten vorausschauend zu verhindern, bzw. durch ein erlerntes Signal abzubrechen und durch ein sinnvolles und erwünschtes Verhalten zu ersetzen.

Der Hund ist der beste Freunde von uns Menschen. Wenn wir behaupten, der beste Freund unseres Hundes zu sein, müssen wir die Art von Freund sein, den wir selbst gerne hätten.

– Suzanne Clothier

2 Kommentare
  1. Sandy
    Sandy sagte:

    Der Artikel ist sehr interessant, aber vor allen Dingen auch lehrreich. Zumindest zeigt es mir, dass ich mein Verhalten selbst auch ändern muss, um an Ende irgend wann ein positives Ergebnis zu erreichen.

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