Wir leben in einer Zeit, in der wir alles im Überfluss finden. Es gibt kaum mehr eine Marketinglücke was das Angebot für Hunde angeht. So lässt es nicht verwundern, dass es auch Hundemäntel gibt, die im Bezug auf Farbe, Form, Grösse, Material und Funktionalität keine Wünsche übrig lassen.Beim letzten Punkt fragt man sich hin und wieder, ob der Mantel tatsächlich eine Funktion zu erfüllen hat, ausser natürlich, dem Menschen Freude zu bereiten und dem Hund einen „Ach wie herzig“ Effekt zu verpassen. Leider lässt sich hinter jedem Klischee auch immer ein Stückchen Wahrheit finden. So trägt der eine oder andere Hund nicht nur zur kalten Jahreszeit einen wärmenden Mantel sondern passend zum Outfit des Menschen Kapuzenpullover oder gar Schlafanzüge, sie verwandeln die Hunde in zuckersüsse Lolitas, Bad Boys, Prinzessinnen oder coole Jungs. Passend zum Outfit des Menschen, wächst die Hundegarderobe und man bekommt den Eindruck, Hunde werden als Modeaccessoire missbraucht. So ist es wenig verwunderlich, dass viele Menschen und auch Hundebesitzer, die pragmatisch veranlagt sind, deren Hunde täglich durch den Matsch springen und Schlammpfützen aufsuchen dürfen, eine eher skeptische Einstellung gegenüber Hundemänteln haben. Man fragt sich: Braucht mein Hund einen Mantel?

Dass sich Hunde in Pullovern und Mänteln, die für sie keine Funktion erfüllen unglücklich fühlen, würde ich nicht behaupten. Dass sie ihr Aussehen jedoch in eine Rolle schlüpfen lässt, in der sie von ihren Menschen als Hunde mit Bedürfnissen nicht mehr ernst genommen werde, das hingegen befürchte ich bei manch einem Hundehalter. Denn auch ein cooler Boston Terrier im schwarzen Hoody mit Totenkopf Muster auf dem Rücken kann unter gewissen Umständen mit Unsicherheiten zu kämpfen haben und dank seines „Macho verpassten Styles“ in seinem Verhalten nicht ernst genommen werden.

Mir geht es jedoch mit meinem heutigen Beitrag vor allem um Hunde, welche die kalten Tage mit frieren verbringen müssen. Wir alle kennen dieses unangenehme Gefühl, wenn sich unsere Muskeln durch Kontraktion versuchen Wärme zu verschaffen. Wir schlottern und es wird nicht besser sondern im Gegenteil – es fühlt sich so an, als würde die Kälte bis zu den Knochen vordringen. In unseren Breitengraden, so denkt man, sollte keiner frieren. Weder Mensch noch Hund. Da Hunde aber nicht in der Lage sind, in unserer Sprache ihr Unwohlsein mitzuteilen, liegt die Verantwortung bei uns Menschen, sie aufmerksam zu beobachten und uns in sie rein zu fühlen, damit wir erkennen können, wenn sie sich unwohl fühlen. Wir sagen immer, Hunde sind unsere beste Freunde. Was sonst soll denn die grösste Aufgabe eines besten Freundes sein, als um dessen Wohlergehen besorgt zu sein?

Grad heute begegnete mir einmal mehr ein Hund, dessen jämmerlicher Zustand kaum zu übersehen war. Eine Ungarische Vizsla Hündin im bereits höheren Alter wartete angebunden vor einer Bäckerei, derweil sich ihre Bezugsperson die Zutaten für den Sonntagsbrunch im Laden zusammenstellen liess. Die Hündin zitterte erbärmlich, ihre Rute war zwischen den Hinterbeinen eingeklemmt, ihr Kopf hing runter, ihr Blick war starr. Hätte ich in diesem Moment irgendeinen Passanten gefragt, der vorbeikam, wie er den Zustand dieses Hundes einschätzt, ob er kalt hat oder nicht, so hätte mir wohl jeder einzelne ohne weitere Kenntnisse über Hunde und deren Ausdrucksverhalten zu haben bestätigt, dass dieser Hund definitiv kalt hat. Ob diese Hündin nur kurz für den Ausflug zur Bäckerei ohne wärmenden Mantel unterwegs war oder regelmässig im Alltag frieren muss, weiss ich nicht. Ich hoffe wirklich sehr, dass nicht letzteres der Fall ist.

Nun war dies eine Hündin, der man ganz offensichtlich ansehen konnte, dass sie kalt hatte. Leider ist es nicht immer so eindeutig. Denn es gibt Hunde, die durchaus kalt haben ohne dabei zu zittern. Eine Situation, die ich nur allzu gut von mir selber kenne: Ich sitze im Büro und erledige dies und das. Mit der Zeit merke ich, wie die Kälte von den Füssen nach oben wandert. Meist dauert es länger, bis ich aufstehe um mir eine warme Strickjacke zu holen oder einen wärmenden Tee zu kochen. Oft bin ich einfach zu bequem dafür oder möchte vorher noch schnell was fertig machen. Aber die Minuten vergehen und was geschieht nun? Es fühlt sich immer unangenehmer an. Die Finger werden kalt, fühlen sich bald steif an und die Schultern verspannen sich. Die Konzentration lässt nach. Von zittern noch lange keine Spur. Aber bevor es soweit ist, stehe ich auf und sorge dafür, dass es mir wieder warm wird. Und genau so kann es einem Hund ergehen, der kalt hat. Es wird unangenehm, sein Körper kühlt aus, die Motivation lässt nach und vielleicht sogar merkt man, dass sich sein Verhalten verändert. Als Hundetrainerin habe ich tatsächlich schon Hunde erlebt, die z.B. ohne Mantel deutlich mehr Unrat aus dem Kälte-Stress heraus gefressen haben. Das Verhalten liess mit wärmendem Mantel wieder nach. Auch bei Hunden, die sich bei wärmeren Temperaturen lebensfroh draussen zeigen und im Winter lustlos neben oder hinter ihren Menschen hergehen, darf man sich Gedanken über einen wärmenden Mantel machen. Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Hund überhaupt einen Mantel benötigt, sollte man es auf jeden Fall ausprobieren.

Bei folgenden Hunde-Typen kann ein wärmender und/oder wasserabweisender Mantel im Herbst/Winter sinnvoll sein:

  • Kleine Hunderassen, da die Körper schneller auskühlen und sich diese Hunde näher am kalten Boden bewegen
  • Hunde denen die Unterwolle komplett fehlt oder die wenig Unterwolle besitzen
  • Ältere Hunde, da ihr Stoffwechsel verlangsamt ist und sie sich nicht mehr so ausgiebig bewegen, daher schneller auskühlen. Manche haben im Alter Arthrose oder andere Gelenkserkrankungen, kalte Nässe kann hier besonders unangenehm sein
  • Kranke Hunde, die in der Bewegung eingeschränkt sind, auch sie kühlen schneller aus

Also schaut beim nächsten Spaziergang bitte genau hin, ob Euer Hund vielleicht kalt hat. Viele Hunderassen sind schlichtweg nicht für diese Kälte gemacht, die aktuell in unserem Land herrschen! Traut Euch und steht ein für das Wohl Eures besten Freundes. Im Namen dieser Hunde sage auch ich DANKE <3