Spielen mit Verstand

Viele nennen sie einfach Balljunkies. Hunde, die auf ihren Ball oder ein anderes Spielzeug geradezu süchtig sind.

Im guten Glauben daran, den Vierbeiner damit so richtig auszupowern, werfen viele Hundehalter das Spielzeug immer wieder durch die Luft. Wir ein Irrer jagd dann der Hund diesem hinterher. Auf den Ball fixiert nehmen sie von ihrer Umwelt kaum noch etwas wahr. Der Verstand wird ausgeschaltet. In solchen Moment ist besonders der Jagdinstinkt präsent, es wird gelauert (wann fliegt der Ball), fixiert (der Ball wird nicht aus den Augen gelassen), gehetzt und schlussendlich zugepackt. Der Instinkt ist hellwach. Denken ist in solchen Situationen eher schwierig. Dies merkt man auch daran, dass der Hund in diesen Situationen kaum ansprechbar ist. Ebenfalls sind viele Hunde, mitten im Spiel schlichtweg nicht in der Lage, ein gut erlerntes Signal zuverlässig auszuführen. Die Aufregung ist zu hoch.

Traurig auch, wenn die Hunde kaum aus dem Auto gelassen, schon dem Ball hinterher jagen. Ihre Muskeln sind noch nicht warm. Die starke Beschleunigung, von Null auf Hundert sowie die ruckartigen Richtungswechsel (der Ball wird oft in irgendwelche Richtung geworfen, egal wie der Hund grad steht) wirken sich sehr schlecht auf Muskulatur und Gelenke aus.

Erst wenn die Zunge schon fast den Boden berührt, denken sich viele Menschen, wurde der Hund ordentlich ausgelastet. Ein grober Irrtum. Monotone Spiele wie das Ballwerfen sind kontraproduktiv, weil Stresshormone (Adrenalin) ausgeschüttet werden. Anstatt den Hund auszupowern, wird er so erst richtig hochgefahren.

Aber ist es denn schlimm, einen Hund dermassen hochzufahren? Muss man den Ball oder das Spielzeug zu Hause lassen? Nein – aber tun Sie Ihrem Hund einen Gefallen und beachten Sie ein paar Regeln bei solchen Spieleinheiten:

  • Den Ball, Kong etc. erst werfen, wenn die Musklen des Hundes vom Laufen bereits etwas aufgewärmt sind
  • Einen weichen und sicheren Untergrund wählen, der Hund soll keiner Gefahr ausgesetzt werden
  • Das Spielzeug in Laufrichtung des Hundes werfen, damit er sich nicht dauernd hektisch wenden muss
  • Wie oft man wirft, ist individuell zu erwägen, jedoch gilt: Weniger ist mehr (aufhören, wenn es am Schönsten ist)
  • Das Spiel nie abrupt beenden sondern langsam ausschleichen lassen, in der Bewegung langsamer werden, z.B. Zerrspiel machen etc.
  • Zum Abschluss den Hund noch eine ruhige Beschäftigung machen lassen, dafür sorgen, dass er in seiner Erregung wieder runterfährt z.B. Leckerliteppich streuen, Futterbeutel verstecken etc. zusammen mit der konditionierten Entspannung helfen wir unserem Hund aus dem Jagd-und Hetzmodus wieder in den Alltag zurück zu kehren.
  • Die Entspannung wird in Zeit gemessen mindestens oder aber genau so lange mit dem Hund gemacht, wie das Spielzeug geworfen wurde

Den Hund einen Ball jagen zu lassen ist alles andere als natürlich. Wir können damit lediglich für den Moment seinen angeborenen Beute-Hetztrieb befriedigen. Vielen Hunden macht diese Art von Spiel grosse Freude, die Suchtgefahr allerdings ist enorm und bei unsachgemässer Anwendung kippt das Verhalten vieler Hunde; Aus Freude wird Frust, sie werden zu Kläffern, die es kaum erwarten können, den Ball zu jagen.

Sinnvoller sind Spiele, die unsere Hund in ihren Fähigkeiten fördern und artgerecht auslasten. Nasenarbeit ist für praktisch alle Hunde eine immer sehr willkommene Beschäftigung, die wir unseren Hunden in ganz unterschiedlichen Arten anbieten können. Ob Mantrailing, Verlorensuche eines mit Duft präparierten Gegenstandes, Dummy oder ein Futterbeutel, es lassen sich viele Dinge vor der Hundenase verstecken. Ob die Verstecke wirklich sicher sind, werden Sie dann selber sehen 😉

 

 

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